Frühchen tragen – was beachten?

 

Eine Frühgeburt ist für alle Beteiligten eine belastende Situation – auch wenn Kinder, die jenseits der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, heute sehr gute Chancen darauf haben, ein gesundes Leben zu führen.

Die erste Wochen oder Monate jedoch müssen Frühchen meistens im Krankenhaus verbringen. Für die Eltern ist das ziemlich stressig: Sie können bzw. wollen meistens nicht rund um die Uhr vor Ort bei ihrem Kind sein. Das ist sowohl für das Baby als auch für die Eltern schade. Hinzu kommt, dass das Frühchen zerbrechlich wirkt, an Schläuche angeschlossen ist und oft auch viel schreit. Das belastet ebenfalls. Wie kann es trotzdem gelingen, zum Baby möglichst viel Nähe aufzubauen? Indem es maximalen Körperkontakt erhält.

Manche Eltern sind ein wenig verunsichert: Darf man denn ein Frühchen überhaupt schon tragen? Viele Tragehilfen sind erst ab ca. 3 Kilo geeignet. Außerdem gibt es immer noch Kinderkrankenschwestern, die davon abraten: der Rücken des Babys sein zu schwach, heißt es da und auch die Muskulatur würde zu sehr belastet werden.

Glücklicherweise sehen das aber die Experten auf diesem Gebiet, nämlich Trageberaterinnen und Hebammen, ganz anders. Gerade Frühchen brauchen besonders viel Nähe, Wärme und Geborgenheit. Deswegen hat Tragen laut neuester Erkenntnisse – die aber leider noch nicht bis zu jedem durchgedrungen sind – viele Vorteile, nicht nur für das Baby, sondern auch für die Eltern, die es tragen. Bei Frühchen, die weniger als 2 Kilogramm auf die Waage bringen, muss aber einiges beachtet werden.

Generell muss man sagen, dass das Tragen von Frühchen in den deutschen Kliniken leider noch nicht Standard ist und dem oft mit Skepsis begegnet wird.

 

Die Vorteile, wenn Frühchen getragen werden

 

Die Liste der Vorteile ist lang. Es leuchtet ein: Wenn das Baby zu früh geboren und aus der geborgenen Umgebung des Bauchs herausgerissen wird, ist es umso wichtiger, ihm genau diese Geborgenheit möglichst wieder zu geben.

  • Getragene Frühchen leiden weniger ans Atemaussetzern
  • Sie trinken besser
  • Sie sind viel ruhiger
  • Durch die Anhock-Spreiz-Stellung wird einer Hüftdysplasie vorgebeugt
  • Das Tragen fördert die Entwicklung des Gehirns
  • Wird das Frühchen bereits im Krankenhaus getragen, so hilft das Tuch bei der Eingewöhnung zuhause, weil das Baby das Tragen im Tuch schon kennt
  • Ganz nebenbei wird die Eltern-Kind-Beziehung gestärkt
  • Die Eltern gewinnen Sicherheit im Umgang mit ihrem Baby
  • Sie werden feinfühliger und könne Babys Bedürfnisse besser deuten
  • Sogar die Milchbildung wird beim Tragen unterstützt
  • Hautkontakt generell wirkt stabilisierend auf Babys

 

Tragen ist also gerade bei Frühchen ein wichtiger Aspekt, um ihnen den Frühstart ins Leben, der ohnehin schon schwer genug ist, zu erleichtern. Nicht nur bei Frühchen, sondern generell ist Tragen eine praktische Sache. Das Baby ist immer dabei, das bedeutet, dass ihr als Eltern zumindest ein Stück weit euren andern Verpflichtungen im Alltag nachkommen könnt, ohne euer Baby dabei alleine zu lassen.

 

Gibt es Gefahren oder Einschränkungen?

 

Tatsächlich sind besonders Frühchen sehr empfindlich, weswegen beim Binden des Tuchs größte Vorsicht geboten ist. Tragen ist normalerweise für Babys mit einem Gewicht von 2 Kilogramm kein Problem. Im Zweifelsfall solltet ihr als Eltern jedoch mit den Ärzten oder Hebammen bzw. mit einer Trageberaterin Rücksprache halten, auf was genau zu achten ist.

Wenn das Baby noch an einen PEG oder Monitor angeschlossen ist, ist das nicht zwingend ein Hindernis beim Tragen. In diesem Fall müssen verschiedene Bindetechniken ausprobiert werden, um die individuell am besten passende herauszufinden.

 

Tragetuch für Frühchen – was ist zu beachten?

 

Die allermeisten Komforttragen können für Frühgeborene noch nicht verwendet werden. Ein Frühchen trägst du also am besten mit einem ganz normalen Tragetuch. Außerdem hängt es auch sehr davon ab, wieviel das Frühchen wiegt. Liegt das Gewicht bei weniger als 2 Kilo, muss es sehr vorsichtig umgelagert werden, weil sonst Gefäße verletzt werden könnten, was wiederum zu Hirnblutungen führen kann. Grundsätzlich ist es beim Tragen von Frühchen wichtig, dass du eine gute und kompetente Hebamme oder Trageberaterin hast, die dich beraten kann.

In einigen Kliniken gibt es eine Alternative zum Tragen, das „Kängurun“. Es handelt sich dabei aber nicht um ein Tragetuch, mit dem das Baby umgebunden wird, sondern um ein weites Tuch, in dem das Baby wie in einem Kleidungsstück vorne auf dem Bauch der Mutter oder des Vaters platziert wird – das geht vorwiegend im Sitzen oder im Liegen.

Grundsätzlich gibt es keine Unterschiede zwischen einem Tragetuch für Frühchen und einem für normalgewichtige Babys. Etwas besser zu handhaben ist in diesem Fall vermutlich ein elastisches Tragetuch. Es ist etwas dünner und gibt dennoch ausreichend Halt. Einige Hersteller haben sogar Tücher im Sortiment, die nicht ganz so breit sind, was bedeutet, dass das Baby nicht so viel Stoff zwischen den Beinen hat.

Ein Frühchen kann alternativ auch mit einem Ring Sling getragen werden. Wer gar nicht binden will, kann es mit einem Mei Tai versuchen, der allerdings spezielle für Neugeborene oder Frühchen geeignet sein muss.

 

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